Die Entwicklung der Maximaphilie im internationalen Bereich (Moniteur 2005-4)

Günter Formery, D-Saarbrücken

(ohne Abbildungen !)

Die Ahnen der Maximumkarten

Erste Maximumkarten realisierten Philokartisten als Reiseandenken, mehr oder weniger zufällig, kurz vor dem Ende des 19. Jahrhunderts. Diese Sammler erkannten schon damals die ästhetische Wirkung der Verbindung von Briefmarke und Ansichtskarte (Illustrierte Postkarte), ergänzt um eine postalische Abstempelung, als eine attraktive und innovative Sammelform.

Es war dies aber noch nicht die eigentliche Geburtsstunde der Maximaphilie, die auf eigene Art und Weise zwei interessante Sammelgebiete wie Philathelie, hier das Sammeln von Briefmarken und die Beschäftigung mit der Stempelkunde (Marcophilie) sowie Philokartie, mit den Materialarten Ansichtskarten und philatelistischen Ganzsachen (Anlasskarten), als Ganzstück vereinigen sollte. Vielmehr war ein langer Weg über die „TCV-Karte" (Timbre côté vue = Marke bildseitig) bis hin zum philatelistischen Sammelobjekt Maximumkarte (MK) zu verzeichnen, wie nachfolgend dargelegt wird.

Um die Ursprünge der Maximaphilie zu erfassen ist es erforderlich sich zuerst mit einem Teilbereich der Geschichte von Illustrierten Postkarten (IPKn) oder Ansichtskarten (AKn), wie sie zumeist genannt werden, zu beschäftigen, denn die IPK ist das zweite Element einer MK, einem philatelistischen Ganzstück, dass sich aus drei Elementen zusammensetzt.

Bereits um die Jahrhundertwende setzte, insbesondere im deutschsprachigen Raum, ein rasanter Aufschwung beim Ansichtskartensammeln ein, der bis zum I. Weltkrieg andauerte. Veränderungen beim Postkartenformular hatten an dieser Entwicklung einen erheblichen Anteil. Anfänglich erlaubten die Postordnungen vieler Länder nur auf der Rückseite der IPKn Mitteilungen an den Empfänger sowie Illustrationen, letztere zuerst nur im linken Teilbereich der Rückseite, weil die Vorderseite der IPK völlig für die Adressenangabe reserviert war. Allmählich erweiterte sich der Illustrationssektor, so dass einige Jahre vor dem Ende des 19. Jahrhunderts viele Postverwaltungen sich veranlasst sahen, das Formular auf der Anschriftenseite (Vorderseite) dahingehend zu verändern, dass deren linkes Drittel auch für Mitteilungen genutzt werden konnte. Infolge dessen stand nun die Kartenrückseite völlig für Illustrationen zur Verfügung. Diese Art von IPKn gestattete die deutsche Postordnung offiziell ab dem 1.2.1905.

Abb.1: Illustrierte Postkarte alter Art mit teilweiser Illustration auf der Rückseite aus dem vorigen Jahrhundert (vor 1905). Sie stammt aus dem Verlag von Othmar Ziehrer, München, und ist mit der Bezeichnung „Carte Philatélique" versehen.

Es gibt alte MKn, denen eine IPK mit Freiraum für Mitteilungen als zweites Element dienten, aber erst völlig illustrierte Rückseiten von Karten ermöglichten eine größere thematische Aussage von MKn und gab später den Regelwerken des Sammelgebietes die Basis für die Forderung nach einer Mindestillustration von 75 %.

Bereits im Jahre 1899 beklagte sich ein Philatelist in der „Mitteldeutschen-Philatelisten-Zeitung" vehement darüber, dass die AK „unheilvoll in unser specielles Sammelgebiet, das der Postwerthzeichen, einbreche". Der kritische Gegner des Ansichtskartensammelns führt weiter an: "Jetzt erst, nachdem man seitens der Speculanten Werth darauf legt, die Ansichtskarten fremder Länder mit den fremdländischen Marken den Sammlern anzupreisen und die Meinung in ihnen zu erwecken suchen, sie dienten mit dem Ankauf dieser Karten zugleich den Zwecken ihrer Postwerthzeichen-Sammlung, scheint eine Stellungnahme ernster Briefmarkensammler gegen die Ansichtskarte geboten". Ein Jahr zuvor schrieb ein Autor in der gleichen Zeitung im Artikel „Das Postkartensammeln", dass nach offiziellen „illustrierten Ansichtskarten" (= Ganzsachen) in Deutschland und Österreich nun in überseeischen Ländern die „illustrierte Ausstellungs-Briefmarke" folgte. Ob hier die TCV- oder Maximumkarte gemeint ist, kann nur vermutet werden.

Abb. 2: Eine Ansichtskartenserie „Post in aller Welt" lieferte 1900 der „Verlag Hugo Moser" in Stuttgart. Bei dieser Serie, zeitgemäß noch mit Freiraum für Mitteilungen versehen, sind bereits gestempelte Briefmarken aus dem Land des Ansichtskartenmotivs auf den Karten zu sehen. Allerdings standen bei dieser „Kartophilie" kommerzielle Belange im Vordergrund.

Im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts verschickten dann Philokartisten im zunehmenden Maße IPKn, auf deren Bildseite sie Briefmarken aufklebten und diese einer postalischen Abstempelung zuführten.

Derartige Sammelobjekte entsprechen in der Regel nicht den heutigen Kriterien der Maximaphilie, da sie zwar zumeist eine örtliche Übereinstimmung der Abbildung auf der IPK mit dem Poststempel vorweisen können, aber nicht die zum Motiv der Briefmarke passende IPK. Solche philokartistische Sammelobjekte nennt man weltweit „TCV-Karten". Sie können also lediglich eine zweifache Übereinstimmung ihrer drei Elemente aufweisen und nicht eine dreifache, wie es die Kriterien der Maximaphilie für eine korrekte MK fordern. Im deutschsprachigen Raum versah man diese Karten rechts oben im Anschriftenfeld mit dem Hinweis „Marke bildseitig" oder „Frankatur siehe Rückseite".

Abb. 3: TCV-Karte mit einem AK-Motiv vom neuen Hauptportal der Kathedrale in Metz, deren Abstempelung im Jahre 1904 erfolgte. Abbildet ist eine Statue des Propheten Daniel, die ein schelmischer Bildhauer mit den Gesichtszügen von Kaiser Wilhelm II. versehen hat.

Abb.4: Diese „Rundreisepostkarte" ist eine TCV-Karte besonderer Art, die in fünf Ländern unter Umschlag un terwegs gewesen war und durch phi latelistische Interessen des Sammlers W. Menning aus Saarbrücken geprägt ist. Sie wurde erstmals in Saarbrücken - St. Johann postalisch behandelt und dann in Frankreich, Belgien, Finnland sowie Argentinien. Ihre Rundreise dauerte vom 19. August 1920 bis zum März 1921.

Abb. 5-6: Hier erkennt man traditionelle Markeninteressen eines Sammlers, der eine Vielzahl von Aufdruckmarken des Saargebietes ebenfalls im Jahre 1920 in Saarbrücken–St. Arnual abstempeln ließ. Man sieht Aufdruckmarken, ursprünglich von „Bayern" und dem „Deutschen Reich" verausgabt.

Einer der Geburtshelfer der Maximaphilie ist der am 10. Dezember 1881 in Pfeffenhausen als Sohn eines Tagelöhners geborene Josef Steinlehner. Dieser clevere Geschäftsmann war ab 1906 in der bayrischen Metropole München mit einem Ansichtskartenversand registriert.

Am 15. April 1909 begab er sich auf seine erste große Reise zur Beschaffung von philokartistisch-philatelistisch geprägten Sammelobjekten, deren Ziel Jerusalem war. Drei weitere große Reisen unternahm Steinlehner in den folgenden Jahren nach Marokko (über Kairo), Deutsch Ostafrika (über Khartum) und Kairo, zur damaligen Zeit eine enorme körperliche Leistung und auch ein großes Risiko für Leib und Leben. Wo sich die Gelegenheit bot, war der „Weltreisende" auf seinen Reisen bestrebt attraktive und informative Ansichtskarten mit Briefmarken und Poststempeln zu versehen, seinen Kunden ein Hauch von Abenteuer zu vermitteln.

Zur damaligen Zeit dominierten auf den Briefmarken vieler Länder Herrscher-, Wappen- und Ziffernmotive. Selten gelang es ihm daher mit den zur Verfügung stehenden Marken eine „echte" Maximumkarte zu realisieren. Trotz seiner vordergründig geschäftlichen Interessen, sollten wir die Pionierleistung des Josef Steinlehner auf dem Weg zur Maximaphilie nicht negieren.

Abb. 7: MK Cheopspyramide und Sphinx bei Giseh, Poststempel „Pyramids" von 1913

Das Sammelgebiet setzt sich durch

Wie zuvor angedeutet, zeigten Briefmarken in aller Welt aus der Zeit vor 1920 noch eine geringe Motivvielfalt. Eine solche Ausgangsbasis verhinderte im starken Maße das frühzeitige Aufblühen der Maximaphilie, was sich etwa ab Mitte der zwanziger Jahre änderte, denn nun gestalteten die Postverwaltungen ihre Markenmotive vielseitiger. Angeregt durch die jetzige Motiv- und Themenvielfalt, realisierten Sammler auf der ganzen Welt im zunehmenden Maße MKn.

Bereits am 1. August 1932 schwärmte der französische Sammler Lecestre aus Melun in der belgischen Tauschzeitschrift „Revue du libre échange" über eine Ansichtskarte vom Arc de Triomphe in Paris, welche er bildseitig mit einer Briefmarke vom gleichen Motiv versehen und diese dann einer postalischen Abstempelung in Paris zugeführt hatte. Seiner Meinung nach wies das Ganzstück ein „Maximum" an Übereinstimmung der einzelnen Elemente auf. Allmählich festigte sich dann in zahlreichen Ländern der Welt der philatelistische Begriff „Maximumkarte" als Bezeichnung für ein derartiges Sammelobjekt.

Gerhard Mähler berichtet 1939 über das neue „Sammelgebiet Maximaphilie", dass es schon vor 1930 seine Anhänger in Deutschland hatte. Wir erfahren aus diesem Fachartikel einiges über vage, erst Jahrzehnte später endgültig festgelegte, Kriterien der Maximaphilie. Mähler behandelte auch die bevorzugte Entwertung der Briefmarke mit thematischem Stempel in der Maximaphilie. Hier ist eine frühe Orientierung der Maximaphilisten auf thematischem Gebiet greifbar. Nach seinen Feststellungen war seinerzeit in Frankreich, vor allem jedoch in Belgien, die Maximaphilie selbst Laien geläufig und ein Begriff, das Sammeln von MKn beliebt und sehr verbreitet. Einen Maximumkarten-Katalog mit Notierungen für mehrere Länder vertrieb schon damals die Firma „Withaegs" in Deurne-Sud/ Belgien, dessen Preise man nach Meinung von Mähler zu niedrig angesetzt hatte. Auch regte er vorausschauend an, wenn der Sammler sich nicht zu einer speziellen MKn-Sammlung entscheiden könne, sollte er zumindest eine MK als Ergänzung in seine „reguläre" Sammlung aufnehmen.

Abb. 8: Titelblatt der ersten Ausgabe des Bulletin des französischen Vereins „Les Maximaphiles Français"

Das organisierte Sammeln von MKn hat seinen Ursprung in Frankreich. Engagierte Sammler gründeten am 10. Dezember 1944 in Paris den Verein „Les Maximaphiles Français". Mit seinem ersten Bulletin, im Umfang von acht Seiten, trat der Verein im Januar 1945, in wirtschaftlich schwersten Zeiten, an die Öffentlichkeit. Nach dem II. Weltkrieg setzte eine Phase der fachlichen Orientie-rung ein. Französische Sammler erarbeiteten 1946 das erste Statut für das Sammeln von MKn.

Einer der Männer der ersten Stunde des benannten Vereins war der Ingenieur und spätere Oberst Gonzague de la Ferté, dessen Zuständigkeit anfänglich im Bereich Neuheitendienst lag. Er realisierte als junger Leutnant 1939 seine erste MK, zu einer Zeit, als er im lothringischen Metz stationiert war. Seinen ersten Kontakt mit der Sammelart hatte er durch Besucher der „Exposition Philatélique Metz 1938", welche ihre dort realisierte MKn noch als „Carto-Philatélie" bezeichneten. Nach dem II. Welt-krieg wird Gonzague de la Ferté, als Angehöriger der Besatzungstruppen, der Maximaphilie zu einem Neubeginn in Deutschland verhelfen.

Abb. 9: Oberst Gonzague de la Ferté

Weitere Maximaphilie-Vereine entstanden 1949 in Belgien, 1950 in Deutschland und den USA sowie 1957 in Rumänien. Anhänger der Sammel-richtung fanden sich insbesondere in Italien, Luxemburg, Bulgarien und Polen. Jetzt realisierten eine immer größer wertende Anzahl von Philatelisten in zahlreichen Ländern der Welt Maximumkarten in der Absicht, Briefmarken auf individuelle Art zu sammeln. Viele Sammler erkannten, dass es viel interessanter ist Briefmarken auf Ansichtskarten zu sammeln, womit deren Aussagekraft verbessert werden kann, als sie einfach in Alben abzulegen. Sie wollten Bildvorlage: L’ Echo de la Timbrologie sich konstruktiv mit ihrem Hobby beschäftigen und ließen sich nicht mehr in die Rolle des passiven Sammlers drängen, der nur seine erwor-benen erworbenen Briefmarken im Album ablegt und ihren Besitz nach Nummern im Kata-log abhakt.

Aus dem „sammler dienst", Coburg, Heft 3, 1953, erfahren wir von einer internationalen Philatelisten Ausstellung in New York im Jahre 1947, bei der ein Maximumkarten-Exponat mit 2500 Maximumkarten bestaunt werden konnte. Diese philatelistische Zeitschrift berichtete Jahrzehnte über das Sammelgebiet, war das Cluborgan des Vereins „Deutscher Maximaphilie Club".

Abb.10: Karte vom 1. Internationalen Kongress der Maximaphilie in Dijon 1947

In Dijon fand schließlich vom 11.bis14. September 1947 der erste internationale Kongress für Maximaphilisten statt. Bei diesem Ereignis kam es zu richtungsweisenden Diskussionen unter den Spezialisten des Sammelgebietes. Französisch sprechende Sammler befürworteten den Terminus „ Maximaphilie " , während Engländer und Slawen den

Begriff „Analogophilie" favorisierten. Marian Haydzicki, Delegierter Polens und Verfasser von 18 Regeln für die Analogophilie, trat für die Bezeichnung „ Analogische-Karte" ein. Letztlich kam keine Einigung über eine einheitliche Bezeichnung zustande, so dass man vorerst weiterhin mit unterschiedlichen Bezeichnungen für ein und das selbe Sammelobjekt leben musste. Es gab aber auch wichtige Erfolge in Dijon zu verzeichnen, denn bei diesem Kongress wurden bereits erste International respektierte Regeln für die Maximaphilie erarbeitet.

Eingebettet in die Veranstaltungen des Kongresses war die erste spezielle Ausstellung für MKn. In den nächsten drei Jahrzehnten folgten weitere richtungsweisende Maximaphilie-Ausstellungen, wie nachfolgend angeführt:

Sofia

28.03.1948

Wien

10.06.1948

Dijon

25.12.1949,
Ausstellung mit religiösen Themen

St. Marin/PHI-NU-MAX

21.-30.06.1958

St.Marin/PHI-NU-MAX

25.6.-10.07.1960

Clichy bei Paris/EX-EU-MAX

25.-26.03.1961

Algier / europäische Ausstellung für Maximaphilie

05.03.1962

Rouen/Salon Artistique et Maximaphilie

05.05.1963

Bukarest/EUROMAX ’74

06.-13.10.1974,
1. Internat. Symposium d. Maximaphilie

Der Weg zur eigenen Ausstellungsklasse

1963 legten die Franzosen beim Verbandskongress in Caen ein neues nationales „Statut für Maximaphilie" fest und ließen danach eine „Maximaphilie - Wettbewerbsklasse" in ihren nationalen Ausstellungen zu. Seit dieser Zeit wurden auch auf internationalen Ausstellungen unter den Patronat der FIP immer einige Exponate der Maximaphilie außer Wettbewerb zugelassen

Da sich die Anhänger neuer Sammelgebiete benachteiligt fühlten, verlangten sie von der FIP eindeutige Definitionen und spezielle Ausstellungen für ihre Sammelrichtungen. Im Mai 1973, beim FIP-Kongress in München, befasste man sich näher mit der „Maximaphilie". Die Delegierten beauftragten eine Arbeitsgruppe, Bedingungen für internationale Ausstellungen unter FIP-Patronat zu erarbeiten.

In Folge dieser Bemühungen konnte am 6. Oktober 1974 der Präsident der rumänischen Philatelisten, General Smirnov, im Rahmen der „EUROMAX" Delegierte aus vierzehn europäischen Ländern" zum „1. Internationalen Symposium für Maximaphilie" begrüßen. Diese tagten anschließend unter dem Vorsitz von Dr.Valeriu Néaga, dem Präsidenten der rumänischen Maximaphilisten. Kommandant Azzis, Ehrenvorsitzender des Vereins „Les Maximaphiles Français", unterbreite dem Gremium ein Regelwerk, welches die französischen Sammler schon auf dem Kongress ihres Philatelistenverbandes 1963 in Caen angenommen hatten. Erarbeitet hatte man es in Zusammenarbeit mit dem Verein „L’ Essor Maximaphile", hier vertreten durch deren Ehrenpäsidenten General CH. Dubois. Nach ausgiebiger Diskussion konnten die vorgetragenen Regeln als „Internationales Statut der Maximaphile" angenommen werden. Folglich müssen ab 1974 Maximumkarten diesem Statut entsprechen.

Abb.11: Dr. Néaga

Abb.12: Stempel

Gleichzeitig erarbeiteten die Delegierten ein Arbeitspapier für den nächsten FIP-Kongress betreffs „Zulassung der Maximaphilie für internationale Ausstellungen unter dem Patronat der FIP". Darin waren folgende Forderungen enthalten:

  1. Eine Zulassung des „Statut international de la Maximaphilie" durch die FIP.
  2. Die Verpflichtung an Organisatoren von internationalen Ausstellungen generell eine Abteilung Maximaphilie vorzusehen.
  3. In internationalen Jurys kompetente Juroren der Maximaphilie für die Bewertungen von Maximaphilie-Exponaten einzusetzen und diese nach dem genannten Statut zu bewerten.

Der FIP-Kongress in Madrid im April 1975 fasste daraufhin den Beschluss, „den französischen Verband zu beauftragen die Probleme der Maximaphilie zu bearbeiten und den Organisatoren kommender Ausstellungen zu empfehlen, eine Sonderabteilung für Maximaphilie vorzusehen" (FIP Int. 1975/2, Seite 76).

Dies hatte zur Folge, dass auf der „ARPHILA ’75" in Paris, mit dem „2. Internationalen Symposium für Maximaphilie", und auf der „Italia ’76", mit dem „3. Internationalen Symposium für Maximaphilie", eine Abteilung für Maximaphilie vorhanden war.

Des weiteren tagte erstmals eine europäische Arbeitsgruppe am 30.11.1975 in Wien, deren Aufgabe darin bestand, die Schaffung einer „Vorbereitenden Kommission für Maximaphilie" und ein vorläufiges Reglement für die Zulassung von Maximaphilie-Sammlungen bei FIP-Ausstellungen in die Wege zu leiten.

Ergebnis dieser Bemühungen war zunächst die Drucklegung einer zwölfseitigen Broschüre vom Januar 1977, deren Originaltitel „Recueil des documents concernant les collections de Maximaphilie" lautet (Sammlung der Dokumente betreffend die Maximaphilie-Sammlun-gen). Diese Schrift enthielt im Einzelnen:

  1. Das internationale Statut der Maximaphilie
  2. Kommentare
  3. A. Interne Einteilung der Maximaphilie Ausstellung
  4. B. Punktemäßige Festlegung der Auszeichnungen

  5. Bewertungskriterien für Maximaphilie Abteilungen
  6. Kommentare und Ratschläge für Aussteller

Aufgrund weiterer Vorschläge dieser Arbeitsgruppe konnte der damalige FIP - Präsident Dr. Léon Pütz aus Luxemburg 1977 beim Kongress in Amsterdam eine Entscheidung einleiten.

Bei den Beratungen schlug der Präsident des französischen Philatelistenverbandes vor, dass die FIP auch eine Unterkommission für Maximaphilie bilden könnte.

Abb. 13: Französische Ausgabe des Druckwerkes

Sein Landsmann Gonzague de la Ferté empfahl daraufhin ein Vorgehen in zwei Etappen mit der Schaffung einer Unterkommission Maximaphilie und der Ausarbeitung eines neuen Reglements durch die Unterkommission, welches dem 47. Kongress in Prag 1978 vorzulegen wäre.

Daher schlug FIP-Präsident Dr. Léon Pütz vor, folgende Resolution zu fassen: "Innerhalb der FIP wird eine Unterkommission Maximaphilie geschaffen, die der FIP-Kommission für thema-tische und Motivsammlungen untergeordnet ist." Dem Vorschlag stimmten zwanzig Delegierte zu, sechs lehnten ihn ab und drei Enthaltungen waren zu verzeichnen (FIP Int. 1977/2, Seite 48).

Abb. 14: FIP-Präsident Dr. L. Pütz / L

Mit Zustimmung von Herrn Morelli, Präsident der thematischen Kommission, wurde dann die Maximaphilie vorerst dieser Kommission unterstellt und der französische National-verband, unter Zusammenarbeit mit mehreren Ländern in denen Vereinigungen oder orga-nisierte Gruppen für Maximaphilie bestanden, mit der Bildung einer Unterkommission für Maximaphilie beauftragt.

Auf der „Portugal ’77" in Porto wählten die Mitglieder des provisorischen Büros der Unterkommission G. de la Ferté zum ersten Präsidenten der Unterkommission. Als weitere Mitglieder dieser Kommission benannte man István Székely (Ungarn) sowie Luigi Morera (Italien), Dr. Veleriu Néaga (Rumänien) und André Sanders (Belgien).

Bei einer Tagung der Unterkommission in Budapest (5. und 6. Mai 1978) legten die Delegierten durch Beschluss fest, eine Bewertung von Maximaphilie-Exponaten habe nur durch Spezialisten des Sammelgebietes zu erfolgen.

Während des 47. FIP-Kongress in Prag (6.-7.9.1978) erfolgte der Beschluss, dass die Maximaphilie bei Ausstellungen der FIP als provisorische Wettbewerbsklasse innerhalb der Gruppe Thematik zugelassen wird. Eine eigenständige Wettbewerbsklasse blieb dem modernen Sammelgebiet also vorerst noch verwehrt. Geregelt wurden diese Belange im „Reglement der Maximaphilie-Klasse auf internationalen Ausstellungen unter dem Patronat der FIP". Damit war die Maximaphilie endlich offizieller Bestandteil des philatelistischen Ausstellungswesens. Nach weiteren Beratungen konnte bei diesem Kongress auch das definitive Statut für die Maximaphilie angenommen werden.

Gonzague de la Ferté leitete auch die 1979 gegründete „Commission nationale de la Maximaphilie " der französischen Philatelisten.

Die Gründung einer Maximaphilie-Kommission in Luxemburg ist auf den 21. März 1980 zu datieren. Seit ihrer Gründung hat Joseph Wolff, Präsident des Luxemburger Verbandes (FSPL) und Vizepräsident der FIP, das Amt des Kommissionspräsidenten inne. Schon Jahrzehnte betätigt sich Jos Wolff international als engagierter Kämpfer für die Sache der Maximaphilie. Für den FIP-Vorstand nimmt er die Interessen des Fachgebietes in der Maximaphilie – Kommission des Weltverbandes wahr.

Abb. 15: Joseph Wolff, RDP, Vicepräsident der F.I.P. und Präsident der FSPL, Präsident FSPL-Maximaphilie-Kommission

1987 richtete der Verband im Luxemburger Stadttheater die „LUMAX" aus, eine Ausstellung auf der ausschließlich MKn gezeigt wurden. Seit 1990 veranstalten die Luxemburger Sammlerfreunjährlich einen „Tag der Maximaphilie", an dem traditionsgemäß immer eine nationale Maximaphilie-Wettbewerbs-Ausstellung stattfindet. Diesen Festtag der Sammelgebietes hatten die „Maximaphiles Belges" schon einige Jahre früher ins Leben gerufen.

Am 10. November 1980 beschloss der FIP-Kongress in Essen die Umwandlung der provisorischen Unterkommission in eine reguläre Kommission. Die neue Kommission nahm 1981 ihre Arbeit auf. Ihren Mitgliedern viel nun die Aufgabe zu, sich um die Weiterentwicklung des Sammelgebietes zu bemühen. Zum ersten Präsidenten wählten die Delegierten Oberst Gonzague de la Ferté. Die Funktion des Vize-Präsidenten ging an Dr. Valeriu Néaga (Rumänien), des Sekretärs an Herrn Luigi Morera (Italien) und zu Mitglieder der Kommission wurden die Herren André Sanders (Belgien) und Jos Wolff (Luxemburg) ernannt.

Durch Artikel 4.3 des „Allgemeinen Reglement der FIP-Ausstellungen" von 1982 wurde dann eine eigene Maximaphilie-Klasse eingerichtet, womit die Maximaphilie zum vollwertigen Zweig der Philatelie avancierte.

Das derzeit gültige Spezialreglement für die Bewertung von Maximaphilie-Exponaten und die Guidelines (Richtlinien) verabschiedeten die Delegierten auf dem 68. FIP-Kongress vom 1.-2. September 2004 in Singapur.

In der heutigen Zeit gewinnt die Maximaphilie weltweit ständig an Boden unter den Sammelgebieten, was nicht zuletzt auf stetige Öffentlichkeitsarbeit in Fachzeitschriften, Homepages und zahlreichen Mitteilungsblättern der nationalen Vereinigungen zurück-zuführen ist. Maximaphilie-Exponate gesellen sich mit Goldmedaillen auf internationalen Wettbewerben ebenbürtig zu den Exponaten der lang anerkannten Wettbewerbsklassen.

Weitere Literaturhinweise

Dr. Léon Pütz, Ursprung und Werdegang des Internationalen Verbandes der Philatelie (F.I.P.)

E. Wasem, Die vier Reisen des Pioniers der Maximaphilie Josef Steinlehner 1909-1926, in Maximaphilie-Report der Arbeitsgemeinschaft Maximaphilie/D, Jahrgänge 2003-05

G. de la Ferté, Echos Maximaphiles, Fachartikel in L’ Echo de la Timbrologie

La Philatélie Française