Histoire postale - Luxembourg - Zur Telegraphie in Luxemburg - Moniteur 2006-1

Zur Telegraphie in Luxemburg

Eine Broschüre mit der Sammlung von Dieter Basien

Welchem Postgeschichtler oder auch Postwertzeichensammler ist noch bekannt, daß der "erste elektrische Telegraphendienst" auf Grund einer am 31. März 1854 erhaltenen Ermächtigung im Jahre 1855 durch die preußische Garnison der Bundesfestung Luxemburg in diesem Großherzogtum eingerichtet wurde. Die luxemburgische Regierung durfte täglich bis zu 200 Morsezeichen und bis 6000 monatlich kostenlos versenden, wobei Privattelegramme zulässig waren, diese aber gebührenpflichtig. Das Gebäude befand sich am Paradeplatz, Poststraße 4. Da dem Publikum die Gebühren zu hoch waren, der private Telegraphen-Verkehr auch zunahm, beschloß die Regierung mit Datum vom 22. Juli 1861 eine eigene Telegraphen-Verwaltung einzurichten, die am 1. Oktober 1861 ihren Dienst aufnahm. Der Telegraphenbetrieb begann aber erst am 20. Oktober 1862 nach Belgien und am 5. November 1862 nach Diedenhofen. Begann der Dienst zunächst in einem Zimmer der Eisenbahnverwaltung, das gegen eine Miete abgegeben wurde, im Bahnhof, mit Beginn des Betriebs nach Belgien wurde die Telegraphen-Station ins Haus Weyrich am Wilhelmsplatz verlegt, um am 15. Dezember 1869 im "Alten Postgebäude" endgültig den Betrieb weiterzuführen. Der Haupteingang zum "Alten Postgebäude" war an der Monterey-Straße wo sich auch die heutige Postdirektion befindet, während sich an der Westseite zur Aldringer-Straße ein Turmaufsatz befand, der später als Linienverzweiger des Oberleitungs-Telegraphenbaus, was zu der Zeit üblich war, (der Telephondienst wurde durch ein Gesetz vom 20. Februar 1884 und durch die Großherzoglichen Beschlüsse vom 4. und 17. Dezember 1884 eingeführt) benutzt wurde. Übrigens wurde der Telegraphen-Dienst erst am 17. April 1883 mit der Post zur "Post- und Telegraphenverwaltung" vereint. Der erste Direktor dieser neuen Verwaltung wurde der General-Advokat beim Obergerichtshof Charles Richard.

Aus diesen Fakten genährt gestaltete Dieter Basien eine Sammlung mit vielen Beispielen von teilweise sehr seltenen Telegrammformularen, Verschlußvignetten und den vom 1. Februar 1883 bis zum 1. Mai 1924 verausgabten Telegraphen-Marken, einschließlich der Entwürfe und anderer Besonderheiten. In der Zeit vom 12. Mai 1869 bis zum 4. Mai 1892 wurden in 25 weiteren Postämtern im Großherzogtum auch Telegraphen eingerichtet. Hinzu kamen besonders noch Agenturen, auch in späteren Jahren, in denen durch Telefon auch Telegramme aufgegeben werden konnten, was im Interesse einer schnellen Übermittlung sehr sinnvoll war. Es ist eine postgeschichtlich und philatelistisch großartige Sammlung, dazu die einzige in dieser Ausführlichkeit. Wenn die Geschichte der Telegraphie im Großherzogtum Luxemburg in einer Einführung oder im Anhang genauer beschrieben worden wäre, dann wäre sie zu einem Kompendium geworden. Jedoch hätte sie dann sicherlich auch den Umfang einer Ausstellungssammlung überfordert. Schließlich hat diese Anmerkung nichts mit den gezeigten Seltenheiten und dem Fleiß des Zusammentragens zu tun. Leider gehört ein solches Sammelgebiet zu den Stiefkindern der Philatelie und wird nicht entsprechend bewertet, aber auch weil den Bewertern die intimen Kenntnisse fehlen.

Günter Lanser

Dieter Basien: Zur Telegraphie in Luxemburg. "Bibliothek der Philatelie" der Briefmarkenfreunde Düsseldorf, Sonderdruck Nr. 80, mit einem Grußwort des Botschafters des Großherzogtums Luxemburg, Jean A. Weiter, und einem Vorwort von Christian Schlachetzki. 2004, 108 Seiten, Format DINA5, 6,20 zuzüglich Porto.

Zu Beziehen bei: Briefmarkenfreunde Düsseldorf, Rethelstr. 133, D-40237 Düsseldorf.