Histoire postale - Luxembourg - Porto-Ungereimtheiten 1921 - Moniteur 2005-3

LUXEMBURGER PORTO-UNGEREIMTHEITEN 1921

In mehreren Ausarbeitungen zur Luxemburger Philatelie ist bereits eingehend beschrieben worden, dass Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts das Inlandsporto für Korrespondenzkarten höher war als das Auslandsporto. Genauer: Anfänglich - nach Erscheinen der Korrespondenzkarten am 1. September 1870 - war die Beförderung lediglich für das Inland zu 10 Centimes und für den Norddeutschen Postbezirk, die süddeutschen Staaten und Österreich zu 12 Centimes zugelassen. Für das Ausland wurde das Porto ab dem 1. Juli 1872 auf 6 Centimes und für das Inland erst ab dem 1. Januar 1874 auf 5 Centimes herabgesetzt. Dieser Sachverhalt ist hinreichend bekannt und nicht wirklich neu.

Neu ist vielleicht aber für den einen oder anderen Leser die Tatsache, dass sich ein ähnlicher Sachverhalt im Jahre 1921 wiederholte - dies allerdings nur für einen Zeitraum von rund 6 Wochen und zu meiner Freude nach mehrjähriger intensiver Suche hier für Sie dokumentierbar.

Doch Schritt für Schritt:

Seit dem 12. April 1920 betrug in Luxemburg das Inlandsporto für Postkarten 10 Centimes. Bereits am 1. April 1921 wurde es wiederum auf 15 Centimes angehoben (siehe Abb. 1).

Abb.1 Nach der Portoerhöhung vom 1. April 1921 mit 5 Centimes auffrankierte 10 Centimes-Postkarte, aufgegeben am 21. April 1921 in NOERDANGE mit spät verwendetem Aufgabestempel Typ 31. Übrigens war die Zusatzfrankatur zwingend, da 15 C.-Ganzsachen erst am 26. Mai 1921 erschienen.

Kommen wir jetzt zum Kern:

Das seit dem 1. April 1879 auf 10 Centimes festgesetzte Auslandsporto für Postkarten wurde nach 42 Jahren (!) am 15. Mai 1921 auf 20 Centimes für Deutschland, Belgien und Frankreich und auf 30 Centimes für das übrige Ausland angehoben (siehe Abb. 2).

Abb. 2 Postkarte vom gleichen Verwendungstag wie Abb. 1, dem 21. April 1921, jedoch lediglich mit insgesamt 10 Centimes portogerecht für das Ausland freigemacht.

Vergleichen Sie noch einmal die angeführten Daten:

Vom 1. April 1921 bis zum 14. Mai 1921 lag das Inlandsporto mit 15 Centimes um 5 Centimes höher als das Auslandsporto mit 10 Centimes.

Ein zusätzlicher Reiz der beiden gezeigten Belege besteht im Übrigen darin, dass sie am gleichen Tag gelaufen sind, aber unterschiedliche Entwertungsstempel-Typen aufweisen.

Bleibt mir noch die Anmerkung, dass mir die vorgestellte Porto-Besonderheit aufgefallen ist, als ich mich mit dem 2002 erschienenen Werk von Dieter Basien und Fernand Hoffkamp "Tarif der Briefpost in Luxemburg 1852 - 2002" intensiver beschäftigte. Tatsächlich gibt es hier noch viel Interessantes zu entdecken und zu dokumentieren.

Jahrzehntelang haben sich nur wenige Luxemburg-Sammler (vielleicht auch in Ermangelung entsprechender Literatur) mit den Portostufen des Sammelgebiets beschäftigt. Vielleicht wird das jetzt anders. Jedenfalls darf davon ausgegangen werden, dass zahlreiche auf den ersten Blick unscheinbar wirkende und unerkannt gebliebene "Schätze" zum kleinen Preis noch in den Wühlkisten der Sammler und Händler schmoren.

Hans-Uhich Doose