Histoire postale - Luxembourg - Besatzungszeit - Moniteur 2005-3

Besatzungszeit

Deutsche Marken in Luxemburg abgestempelt

Im Prifix wird dabei unterschieden zwischen

a) "Marken, die zwar nicht am Schalter des besetzten Gebietes verkauft wurden, aber zur Frankatur zulässig waren."

und

b) "Marken, die an den luxemburgischen Schaltern im Verkauf waren."

Zu betrachten sind hier nur die unter a) aufgeführten Ausgaben.

Marken des Deutschen Reiches waren in Luxem- burg erst ab 1. August 1941 zur Frankatur zugelassen. Eine Ausnahme bildete die 1 Rpf-Hindenburgmarke Mi.-Nr. 512, die bis 31.12.1940 zur Frankatur von Zeitungssachen gebraucht wurde. Zur Freimachung anderer Sendungen durfte die Marke nicht verwendet werden. Ausnahmen bestätigen die Regel: Es sind zahlreiche Sendungen bekannt, welche mit dieser Marke unbeanstandet befördert wurden.

Michel-Nr.

Beschreibung

Gültig bis

686-88

Automobilausstellung

31.12.1940

689-90

Reichsberufswettkampf

31.12.1940

691

Geburtstag Hitlers

31.12.1940

692-93

Gartenschau

31.12.1940

694

Tag der Arbeit

31.12.1940

695-97

Nürburgrennen

31.12.1940

698

Deutsches Derby

31.12.1940

699

"Das Braune Band" 1939

30.06.1940

700

Tag der Deutschen Kunst

31.12.1940

701

Reichsparteitag

31.12.1940

702-13

Postkameradschaft I

31.12.1940

714-15

Wiedereingliederung Danzigs

31.12.1940

716-29

Überdruck Danzig

31.12.1940

730-38

Winterhilfswerk 1939

30.06.1940

747

"Das Braune Band" 1940

30.06.1940

751-59

Winterhilfswerk 1940

30.06.1940

Wenn man nun den Katalog betrachtet, sind nebenstehend (obenstehend) aufgeführte Ausgaben alle auch auf "Briefen" bekannt und teilweise hoch bewertet, obwohl sie schon im sogenannten Altreich keine Gültigkeit mehr besaßen. Wir bezweifeln nicht, dass solche Umschläge existieren, auch wenn die Marken keine Gültigkeit mehr besaßen.

Wer hat also daran gedreht?

Die einzig berechtigt Dienststelle, die diese und andere Marken (innerhalb ihrer Gültigkeitsdauer) benutzen durfte, war die Deutsche Dienstpost, kenntlich am nebenstehend (obenstehend) abgebildeten violetten dreizeiligem Kastenstempel. Weil die Dienstpost jedoch zu Beginn der Besetzung philatelistischen Anliegen ablehnend gegenüberstand, sollte auch hier Skeptik angesagt sein.

Im Jahre 2003 hat der Verfasser beim Herausgeber des Prifix-Katalogs auf den "Tatbestand" aufmerksam gemacht. Daraufhin ist dem Katalog seit der Ausgabe 2004 (Seite 70) eine N.B. zugefügt worden, die darauf aufmerksam machen soll, dass die Mi.-Nr. 689-729 nach dem 31.12.1940 nicht mehr frankaturgültig waren. Damit ist leider wieder nicht alles gesagt, weil

1.) ein Teil der in der Tabelle aufgeführten Nummern fehlt und

2.) auch der Text auf Seite 67 (2005) geändert werden muss; die Marken waren eben nicht zur Frankatur zulässig.

Auch wenn es Marken und Umschläge mit diesen Marken gibt: Es steht fest, dass sie zur Freimachung ungültig waren und auch laut gültiger Postordnung (des Deutschen Reiches und auch heute) nicht hätten abgestempelt werden dürfen. Alle diese Marken und Umschläge sind philatelistisch wertlos.

Es stellt sich die Frage, weshalb das erst jetzt recherchiert wurde; nach fast 65 Jahren.

Den Mitarbeitern der damaligen Wertzeichen-Abteilung der Postdirektion Luxemburg war der Sachverhalt natürlich bekannt. Anfragen wurden korrekt behandelt, wie die nachfolgenden Abbildungen beweisen. Bei der aus Hamburg eingesandte R-Karte mit den Mi.-Nr. DR 717 und 730 wurden diese ungültigen Marken in Luxemburg nicht abgestempelt (aber zum nötigen Portosatz von 38 Rpf. für eine R-Karte addiert).

Zur Behandlung an die Luxemburger Postdirektion eingesandte philatelistisch beeinflusste Postkarte vom 14.1.1941 aus Hamburg, mit (rechts oben) Marken, welche auch im DR schon ungültig waren und die in Luxemburg auch deshalb nicht entwertet wurden.

Text auf der Rückseite der Karte: "Deutsche Marken ohne Aufdruck sind nicht zulässig zum Freimachen der in Luxemburg aufgelieferten Korrespondenz."

Bis zum 31. Juli 1941 waren nur deutsche Marken "mit Aufdruck" zulässig. Gemeint sind die mit Luxemburg überdruckten Hindenburgmarken und die Marken der Charlotte-Überdruck-Ausgabe.

Dieter Basien