FSPL : Briefmarkensammeln - ein lehrreiches Hobby (Jos Wolff)

Philatelie - erzieherisches Hilfsmittel?

Philatelie - für viele noch immer ein Begriff, den man in Verbindung bringt mit älteren Menschen, oft sogar mehr oder weniger mit Sonderlingen. Und doch wird die Leidenschaft für dieses Hobby fast immer in der Jugend geweckt, und ihre erzieherischen Eigenschaften können nie genug hervorgestrichen werden!

In seiner Nostalgie nach fernen Ländern sind deren Briefmarken oft das einzig Greifbare, was ein Jugendlicher aus andern Kontinenten und entrückten Gebieten kennt und auch besitzen kann. Nach und nach zeigen sich dann auch die bildungsfördernden Eigenschaften des Studiums der Briefmarken.

Waren auf den ersten Postwertzeichen, die in der Hälfte des 19. Jahrhunderts zuerst herausgegeben wurden, mit dem einzigen Ziel, die Gebühren für die Beförderung der Post zu entrichten, hauptsächlich die Bildnisse der jeweiligen Staatsoberhäupter abgebildet, wurden schon bald die Motive dieser kleinen Kunstwerke sehr vielseitig. Heutzutage spiegeln die Briefmarken eines Landes sowohl dessen geographischen, geschichtlichen, naturwissenschaftlichen Fakten und Daten als auch alle Aspekte seines wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen Lebens wider.

Während also klassischen Sammlungen mit Briefmarken älteren Datums daher fast ausschließlich geschichtliche Tatsachen entnommen werden können, behandeln thematische Sammlungen alle nur denkbaren Themen. Die Motive auf den Briefmarken neueren Datums sind so zahlreich und umfassen so viele Gebiete, daß der Themenauswahl in der thematischen Philatelie keine Grenzen gesetzt sind!

Baut ein Jugendlicher eine solche Sammlung auf, in der grundsätzlich ein bestimmtes Thema behandelt wird, muß er sich intensiv mit dem Studium desselben befassen und wird anschließend fast Experte auf diesem Gebiet. So kann das Interesse Jugendlicher an einem bestimmten Stoff "spielend" entfacht und nachhaltig geschürt werden.

Der Forschungsgeist, der in jedem Jugendlichen schlummert, wird geweckt, und er sucht in Fachbüchern und Lexika nach den notwendigen Angaben zur sachgerechten Behandlung des gewählten Themas. Zusätzlich muß er auch noch nach den geeigneten Briefmarken und postalischen Dokumenten forschen, um seine Darstellung des Themas zu belegen. Er lernt in Katalogen und Fachliteratur sowohl philatelistischer als auch themenbezogener Natur zu recherchieren. Sein Sinn für Logik wird entwickelt, da einer der Hauptgrundsätze der thematischen Philatelie in der Entwicklung eines logischen Plans und Aufbaus der Sammlung besteht.

Der Drang des Menschen, sich mit seinesgleichen zu messen und seine Leistungen mit denen anderer zu vergleichen, regt den Jugendlichen dann oft zum Ausstellen seiner Sammlung an. Will er an einer Ausstellung im Wettbewerb teilnehmen, muß er beim Aufbau seines Exponates gewisse, von den nationalen und internationalen Verbänden ausgearbeitete Reglemente befolgen und entwickelt somit seinen Sinn für Disziplin. Er lernt, sich Regelungen zu unterwerfen, und nicht zuletzt auch die Entscheidungen und Bewertungen seiner Mitmenschen zu akzeptieren.

Getrieben von seiner ständigen Suche nach Belegen, tritt er in Korrespondenz mit anderen Sammlern, die oft verschiedener Nationalität, Religion, Rasse sind, und nimmt Kontakte zu Tauschfreunden auf, wodurch seine Umgänglichkeit und seine Friedensbereitschaft gefördert werden.

Aus diesen Tatsachen ersehen wir, daß die Philatelie also nicht nur kenntnisbereichernd und bildungsfördernd ist, sondern auch erzieherische Eigenschaften im "menschlichen" Bereich besitzt. Es wäre daher empfehlenswert, diese so sinnvolle Freizeitbeschäftigung, die doch soviel mehr ist, zum Wohle unserer Jugend in den Schulen einzuführen, und weitgehend auf allen Ebenen zu fördern und zu unterstützen!