FSPL : Briefmarkensammeln - ein lehrreiches Hobby (Jos Wolff)

Die Philatelie schafft neue menschliche Beziehungen

In einer geteilten Welt überwindet die Philatelie die Schranken zwischen den Völkern. in einer thematischen Sammlung werden die Briefmarken einer großen Zahl von Ländern zusammengetragen. Bei Gelegenheit derselben Olympiade geben mehr als hundert Länder Briefmarken heraus. So erfährt der Philatelist, daß auf allen Meeren Schiffe fahren, daß Flugzeuge mit immer höheren Geschwindigkeiten die Kontinente verbinden. Er weiß, wie auf der ganzen Weit die Vögel ihre Nester bauen und wie die Ärzte sich anstrengen, um Menschen zu heilen. Er stellt fest, daß die Menschen überall Menschen sind, auch wenn sie verschiedener Farbe sind, in unterschiedlichen Klimazonen leben und nicht die gleichen Überzeugungen teilen. In seiner Korrespondenz mit einer großen Zahl von Ländern und bei Gelegenheit von Ausstellungen und Kongressen begegnet er vielen Philatelisten und er wird sich bewußt, daß er nicht das sucht, was die Menschen trennt, sondern gerade das, was sie verbindet. Der Ausdruck "Philatelie" beweist uns auf Anhieb, daß es Menschen gibt, die aus demselben Wunsch heraus, zusammenzuarbeiten, mit derselben Liebe heraus zu diesem so einfachen und wirksamen Kommunikationsmittel, der Briefmarke und dem Brief, greifen.

Das Unterrichtswesen erneuert sich, man legt mehr den Akzent auf die persönliche Initiative, sogar auf Gruppenarbeit. Wenn man die Anziehungskraft der Philatelie auf die Jugend feststellt, sieht man sehr schnell die Möglichkeiten, die dem modernen Unterricht von der thematischen Philatelie geboten werden. Vorerst handelt es sich noch um eine Vision, aber die Zeit ist nicht mehr so ferne, wo die Philatelie neben den bewährten Methoden gleichfalls als Hilfsmittel benutzt wird um die Geschichte, die Geographie, die Fauna und Flora, sowie viele andere Materien dem Lernenden näher zu bringen.

Solange ein Sammler ein Thema entwickelt, weil das ihm oder einigen Freunden eben Spaß macht, kann niemand seiner Freiheit Beschränkungen auferlegen. Er kann sein Thema ganz nach Belieben entwickeln und sein Blatt nach eigenen Ideen gestalten. Aber außer seinem Wunsch zu sammeln, besitzt der Mensch noch eine andere angebotene Eigenschaft. er will sich mit seinesgleichen messen, er will erfahren, ob seine Arbeit höher einzuschätzen ist als die Arbeit der anderen. Von diesem Augenblick an braucht er Vergleichspunkte und Richtlinien eines Verbandes und der F.I.P.. Der Geist des Wetteiferns zwischen den verschiedenen Exponaten zeigt sich in der Philatelie anläßlich der Ausstellungen. Die Exponate werden auf lokalen, regionalen, nationalen und selbst auf F.I.P.-Ausstellungen gezeigt. Um sie zu beurteilen und zu klassifizieren braucht die Jury ein Reglement. Die an Ausstellungen teilnehmenden Philatelisten unterwerfen sich diesem Reglement. Die gleichen Notwendigkeiten zeigen sich bei der Ausübung des Fußballspiels. Man kann auf der Wiese Fußball spielen wie es einem gefällt, aber von dem Moment an, wo man wissen will, welche Mannschaft die beste ist, müssen diese sich gewissenhaft an ein Reglement halten, um so aus den unteren Gruppen in die höheren aufsteigen zu können.

Der Sammler hat die Möglichkeit, den Grundgedanken der Briefmarke oder des philatelistischen Dokumentes zu vertiefen. Dies erfordert jedoch ein intensives Studium und zusätzlich gesunden Menschenverstand, damit einzig nur die objektive Bedeutung und nicht die persönliche Deutung des Sammlers ins Licht gestellt wird. So kann eine Sammlung "Friede und Freundschaft" sicher eine Marke über die Olympischen Spiele beinhalten, da es eines der wesentlichen Ziele dieser Spiele ist, Frieden und Verständigung zwischen den Völkern zu fördern. Wie die Taube, so bringen auch die fünf verschlungenen Ringe den Gedanken des Friedens zum Ausdruck.

Die verschiedenen Länder wetteifern untereinander, um die größte Zahl von Briefmarken auf den Weltmarkt zu bringen, sei es um ihren berühmtesten Persönlichkeiten einen Platz zu sichern, sei es um ihre touristisch wertvollen Landschaften oder ihre historische Größe zu zeigen, um so mit der Briefmarke und den Briefen eine großangelegte Werbung zu betreiben.

Die Briefmarke verbreitet den Charakter eines Landes. Alle Länder möchten auf ihren Briefmarken irgendwie die Natur ihres Heimatbodens, ihrer Geschichte, ihres künstlerischen Vermächtnisses usw. wiedergeben. Sie zeigen ihre Landschaften und tragen damit zu ihrer touristischen Werbung bei. Sie streichen ihr augenblickliches politisches System hervor. Die Briefmarke wird ein offenes Fenster auf die Welt. Der Name des Landes, die Geldeinheit und die anderen philatelistischen Aspekte stellen eine nicht zu unterschätzende Basis dar, aber nicht mehr. Der Sammler muß Persönlichkeiten identifizieren, die Namen von Blumen und Pflanzen nachsuchen, dargestellte Ereignisse nachprüfen und sie mit anderen Vorkommnissen in Zusammenhang bringen.

So wie es wahr ist, daß in einer literarischen Studie getreue Zitate benützt werden rnüssen und daß ein Ingenieur sich bei seinen Berechnungen genauer Forrneln bedienen muß, so muß ein jeder Philatelist sich an die Reglemente halten, wenn er sich an nationalen oder an F.I.P.-Ausstellungen beteiligen möchte.