FSPL : Briefmarkensammeln - ein lehrreiches Hobby (Jos Wolff)

Kleiner geschichtlicher Überblick

Der 6. Mai 1840 ist der Geburtstaq der Briefmarke und notgedrungen auch derjenige der Philatelie, denn die beiden sind untrennbar miteinander verbunden. In Großbritannien und in Irland-gab es an jenem Tage die ersten Briefmarken. Es waren dies die schwarze 1 Penny-Marke und die blaue 2 Pence-Marke. Wie es in Großbritannien nicht anders zu erwarten war, trugen die beiden Briefmarken das Bildnis der Königin Victoria. Da die Marken nicht gezähnt waren, mußten die Schalterbeamten sie noch mit einer Schere vorn Bogen abschneiden.

Den Engländern folgten dann auch Schlag auf Schlag andere Länder. Brasilien gab 1843 die ersten Briefmarken heraus. Im selben Jahre emi- tierten auch die beiden Schweizer Kantone Zürich und Genf ihre ersten Freimarken. 1845 waren es der Schweizer Kanton Basel und die Vereinigten Staaten, 1847 Mauritius und 1848 Bermuda, welche nachzogen. Am 1.1.1849 gab Frankreich und am 1.7.1849 unser Benelux-Partner Belgien seine ersten Briefmarken heraus. Am 1.10.1849 brachte Bayern seinen Schwarzen Einser an die Schalter. Da es sich zu dieser Zeit schon herauskristalisierte, daß Briefmarken ein gutes Geschäft würden, schlossen sich nach und nach alle übrigen Länder an diese Ausgaben an.

Luxemburg gab Mitte September 1852 seine ersten Marken heraus. Es waren dies eine schwarze und eine rote Marke mit dem Bildnis Wilheims des Dritten. Im Volksmund werden die Marken heute kurz der "scharze" und der "rote Kopf" genannt. Diese beiden Marken hatten Kurswert bis zum 1. Januar 1906, also sage und schreibe 54 Jahre lang. Es wurden etwa 2.121.600 resp. 716.800 Stück davon verkauft.

Der eigentliche Erfinder der Briefmarke ist der schottische Buchdrucker James CHALMERS. 1834 lieferte er die ersten Proben von aufklebbaren Postmarken. 1840 führte das britische Schatzamt nach der Post- und Portoreform von Sir Rowland Hill die ersten Briefmarken offiziell ein. So begann die Ära der Briefmarken.

1849 gab es bereits 50 verschiedene Briefmarken auf der ganzen Welt. 1860 wurde der erste Tausender schon überschritten. So ging es dann immer weiter und weiter. Heute werden es immerhin schon ca. 400.000 Briefmarken sein, die in der ganzen Welt herausgekommen sind. All diese Marken bilden die Grundlage für das schönste und lehrreichste Hobby der Welt, das Briefmarkensammein.

Mit dem Gedanken, den Portobetrag auf dem Brief zu vermerken, befaßten sich bereits vor dem Schotten Chalmers viele andere.

Die Stadtpost von Paris gab schon am 8. August 1653 die sogenannten Stadtpost-Billets heraus. Es waren dies Papierstreifen, welche nach der Art der Kreuzbänder um den Brief gelegt wurden. Ihr Erfinder war eine Frau, Madame de Longueville.

In London wurden ab 1680 die Stadtpostbriete mit einem roten dreieckigen Stempel "PAID PENNY POST" versehen.

Gestempelte Briefbogen gab 1773 die bekannte Wiener Klapperpost heraus.

Ein königliches Dekret regelte ab 1818 in Sardinien den Briefverkehr. Alle durch die Stadtpost beförderten Briefe mußten auf postalisch abgestempelten Briefbogen geschrieben werden. Es waren dies Briefbogen mit blauen Stempeln zu 15, 25 und 50 Gentesimi. Diese abgestem- pelten Briefe sind bis jetzt die ersten erhaltenen Ganzsachen welche die Philatelie kennt.

Schon 1823 hatte der schwedische Offizier Gabriel Curry Treffenberg die Idee gehabt, eine Art von abgestempeltem Papier, in verschiedenen Wertstufen, gegen bar zu verkaufen. Als lächerlich und unsinnig lehnte das damalige schwedische Zentral-Postamt diesen Vorschlag ab. Eigentlich schade!

Den ersten Hinweis über das Briefmarkensammeln lieferte eine Kleinanzeige, die Anfang 1841, also wenige Monate nach der ersten Briefmarkenausgabe, in einer englischen Zeitung erschien. Der Inserent suchte entwertete Briefmarken zu kaufen.

Rasch verbreitete sich die Samrnlerleidenschaft in vielen Ländern und entsprechend wurden schon frühzeitig für seltene Stücke, hohe Beträge gezahlt. 1898 gab es in Großbritannien bereits etwa 150.000 Briefmarkensammler, in Deutschland waren es 125.000, in Italien 70.000 und in Frankreich 55.000. Heute beträgt die Zahl der Sammler viele Millionen. Die meisten von ihnen haben sich in Briefmarkenvereinen zusammengefunden, um so ihrem Hobby besser nachgehen zu können.

Auch die Fachpresse schloß sich dieser Aufwärts-Entwicklung an. Heute kann sich jeder Philatelist an Hand guter Fachliteratur informieren und seine Kenntnisse vervollständigen und erweitern.

Zum Schluß meines geschichtlichen Überblickes möchte ich ihnen noch den Schutzpatron der Philatelisten vorstellen. Es ist dies in den katholischen Ländern der Erzengel Gabriel.